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© 2009 hope-bern.ch |
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Design: Stefan Stalder |
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„Es ist so einfach, mit Menschen in Kontakt zu kommen” Interview mit Maja und Kobi Stalder Laut der Zeitung Bund ist das Untermattquartier in Bern-Bethlehem das ‚Berner Ghetto’. Über 60% der Bewohner sind Ausländer, viele sind arbeitslos, das Gewaltpotential unter den Jugendlichen ist gross und Hoffnung rar. Gerade deshalb wohnen und arbeiten Kobi und Maja Stalder seit acht Jahren genau hier. Mit ihrer Lebensgemeinschaft sind sie Licht und Salz.
Maja und Kobi, ihr seid in einem Wohnblock mitten in diesem sozialen Brennpunkt daheim. Warum habt ihr nicht ein gediegeneres Zuhause gewählt? Kobi: Das EGW bot uns die Arbeit hier an der Looslistrasse an, mit der Idee, eine Ausländerarbeit anzufangen. Es war eigentlich logisch, dass wir aus dem Ausland direkt in ein Ausländerquartier zogen. Nach und nach entstand eine Lebensgemeinschaft im und um den Wohnblock herum, der dem EGW gehört. Maja: Unser Grundanliegen war schon immer das gleiche, im Ausland und jetzt auch hier: Menschen sollen die Liebe Gottes kennen lernen. Die Leute haben viele Probleme, angefangen bei der Gesundheit über Streitigkeiten, Arbeit, Alkohol, Geldspiele, Gewalt. Es ist so einfach, mit den Menschen hier in Kontakt zu kommen. Wenn du sie als Schweizer nur schon grüsst oder mal hilfst, eine Tasche heim zu tragen, reagieren die Menschen sehr freundlich und dankbar. Heute habt ihr als Gemeinschaft verschiedenste Angebote, von gemeinsamen Essen über Deutschunterricht, Hilfe im Umgang mit Behörden und bei der Lehrstellensuche bis zu kids-parties. Wie ist das alles gewachsen? Kobi: Als wir hierher zogen, war da noch gar nichts. Wir begannen mit Beten und die Leute grüssen. Weil die Menschen arm waren, haben wir in verschiedenen christlichen Gemeinden Kleider gesammelt und vor unserer Garage aufgestellt. So kamen die Ersten bei uns vorbei. Maja: Zwei Frauen fragten mich dann, ob ich ihnen im Deutsch helfen kann. Daraus entstand eine erste Deutschklasse, die wir doppelt führten, in verschiedenen Niveaus. Heute haben wir durchschnittlich fünfzig Schüler in unseren Kursen. Die Nachbarn kommen mittlerweile bei uns vorbei, wenn sie Hilfe brauchen. Wir sind bekannt als das Christenhaus. Kobi: Vordergründig ist es eine Dienstleistung, die wir anbieten. Aber es ist auch eine Schnittstelle, wir lernen Menschen kennen und bei einzelnen merken wir, dass wir eine tiefere Beziehung aufbauen können. Es entstehen echte Freundschaften. Maja: Mit den Fortgeschritteneren kann man über so vieles reden, Fragen zu Alltäglichem, aber auch Fragen zum Glauben. Da gibt es ein echtes Interesse an solchen Themen. Gott hat auch schon auf Gebet hin Heilung geschenkt. Wir haben die Menschen gern, sind echte Freunde. Kobi: Gerade mit den kurdischen Freunden ist es so unkompliziert. Wir können immer vorbeikommen bei ihnen und wenn sie eine Hochzeit feiern, bringen wir einfach noch jemanden mit. Sie haben einen starken Clanzusammenhalt und sind sehr offen und freundlich. Ich möchte den Schweizer Christen einfach sagen: Geht auf diese Menschen zu. Erwartet nicht, dass sie zu euch kommen – das braucht lange. Aber für sie ist es eine Ehre, wenn ihr sie besucht. Ihr lebt zusammen mit anderen Christen in gemeinschaftlicher Verbundenheit in diesem Quartier. Wo liegt die besondere Stärke dieser Lebensform? Maja: Wir fallen auf. Die Leute finden es schön bei uns, sie merken z.B. dass bei uns nicht ständig reklamiert wird. Für uns ist es wichtig, so eingebettet zu sein, mit gemeinsamen Gebets- und Essenszeiten. Wir suchen Gott miteinander, drehen uns dabei aber nicht um uns selbst, sondern gehen raus und tun, was Gott will. Und dabei erwarten wir das Übernatürliche. Kobi: Früher waren wir alleine, jetzt haben wir im Alltag Kontakt mit Geschwistern. Das ist eine grosse Hilfe, weil alle auch mit Gott leben wollen. In den vergangenen acht Jahren bin ich zur Überzeugung gekommen, dass wir als Christen solche Gemeinschaften brauchen. Das Miteinander-unterwegs-sein hat uns verändert, das haben wir vorher noch nie so erlebt. Es ist nicht eine grosse Menge Salz nötig, aber es muss direkt bei den Menschen sein, damit es wirkt. Ich finde es viel einfacher, als kleine Gruppe in einer Nachbarschaft präsent zu sein. Wir leben Hausgemeinde und machen unsere Aktionen gemeinsam. Kobi: Es gibt Leute, die von uns hören und hierher ziehen, weil sie eine Vision haben und mitarbeiten wollen. So kam zum Beispiel eine Krankenschwester dazu, die ihr Arbeitspensum auf 80% reduziert hat, um mitarbeiten zu können. Oder ein pensionierter Mann kommt uns unterstützen, wenn wir ihn brauchen. Maja: Es gibt aber auch solche, die ziehen hierher und erst mit der Zeit wächst die Vision in ihnen. Wenn du hier wohnst, erlebst du die Kinder im Quartier und daraus entsteht das Bedürfnis, etwas für sie zu tun. Etwa sechs Leute helfen so in der kids-party mit, es gibt auch ein Team für die Arbeit unter Jugendlichen. Diese Dienste lassen sich mit dem normalen Arbeitsalltag verbinden, am Samstag oder zu Randzeiten. Gibt es bei euch Highlights oder Enttäuschungen? Maja: Die Arbeit unter den Jugendlichen ist besonders hart, die paar, die überhaupt kommen, sind chaotisch und bringen alles durcheinander. Wenn wir ihnen aber helfen bei der Lehrstellensuche, ist der Zugang wieder einfacher. Du kannst mit ihnen sprechen und auch für sie beten. Wenn sie dann eine Lehrstelle finden, ist das ein gewaltiges Erlebnis für sie. Kobi: Der Kontakt zu den Behörden hat sich gewandelt. Die Skepsis ist zurückgegangen, weil sie sehen, dass wir helfen wo Not ist, wirklich etwas tun, auch wenn wir Christen sind. Das Migrationsamt, Jugendgericht und Jugendamt schickt mittlerweile auch Leute für Kurse, Aufgabenhilfe und Begleitung zu uns. Der Staat kommt finanziell und von den Problemen der Menschen her an seine Grenzen und ist froh, wenn sich andere darum kümmern. Interview: cfc
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